Johannes 1,1-18
Liebe Schwestern und Brüder, (Johannes 1,1-18) 5 Sonntag
dieser Abschnitt aus dem Johannesevangelium ist einer
der tiefsten und mächtigsten Texte der Bibel. Er ist wie ein Prolog, der uns
die Essenz des Glaubens und das Geheimnis Gottes offenbart. Er beginnt mit den
Worten:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und das Wort war Gott.“
Diese Worte führen uns zurück zu den Ursprüngen, nicht
nur der Welt, sondern auch des göttlichen Plans für die Menschheit. Sie
erinnern uns daran, dass Gott von Anfang an ein Gott der Kommunikation und
Beziehung ist. Das „Wort“ – auf Griechisch „Logos“ – steht für die ewige
Weisheit Gottes, die Schöpfung und Offenbarung zugleich ist.
1. Das Wort als Ursprung des Lebens
„Alles ist durch das Wort geworden, und ohne es wurde
nichts, was geworden ist.“
Dieser Vers macht deutlich, dass Gott der Ursprung
allen Seins ist. Nichts in der Schöpfung existiert unabhängig von ihm. Das Wort
Gottes ist nicht nur ein Werkzeug der Schöpfung, sondern die Quelle allen
Lebens. Und in diesem Leben liegt das Licht der Menschen.
Das Licht, von dem Johannes spricht, ist nicht nur
physisches Licht. Es ist das Licht der Wahrheit, der Erkenntnis und der Liebe.
Doch das Evangelium stellt uns vor eine ernüchternde Wahrheit:
„Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die
Finsternis hat es nicht erfasst.“
Das ist die
Tragik der Welt: Die Finsternis – symbolisch für das Böse, die Ignoranz und die
Ablehnung Gottes – versucht, das Licht zu verdrängen. Aber, liebe S.B,
die Finsternis kann das Licht nicht überwinden. Das Licht Christi bleibt.
2. Das wahre Licht kommt in die Welt
Johannes schreibt: „Das wahre Licht, das jeden
Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist
durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.“
Hier sehen wir den tiefen Schmerz der Menschwerdung
Gottes: Er kam in die Welt, die er geschaffen hat, und doch wurde er nicht
erkannt. Er kam zu seinem Eigentum, aber „die Seinen nahmen ihn nicht auf“.
Doch mitten in dieser Zurückweisung leuchtet eine
Verheißung auf:
„Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“
Das ist die zentrale Botschaft des Evangeliums: Jeder
Mensch, der Christus aufnimmt, wird in die Familie Gottes aufgenommen. Es geht
nicht um Herkunft, Leistung oder Verdienst. Es geht allein um Glauben.
3. Das Wort wird Fleisch
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns
gewohnt.“
Hier liegt das Herzstück unseres Glaubens. Gott bleibt
nicht fern und unerreichbar. Er wird Mensch. Das Wort, das unendlich, ewig und
göttlich ist, nimmt unsere menschliche Gestalt an. In Jesus Christus sehen wir
Gottes Herrlichkeit – eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.
Das bedeutet für uns: Gott kennt unser Leben, unsere
Freuden und unsere Leiden. Er weiß, was es heißt, Mensch zu sein. Er ist nicht
nur ein Gott über uns, sondern ein Gott mit uns und für uns.
4. Was bedeutet das für uns heute?
Diese frohe Botschaft fordert uns heraus:
Erkennen wir das Licht? Oftmals sind wir so sehr in unsere
eigenen Sorgen und Ablenkungen verstrickt, dass wir das Licht Christi in
unserem Leben übersehen. Wir sind eingeladen, unsere Herzen neu zu öffnen und
uns von seinem Licht erleuchten zu lassen.
Leben wir als Kinder Gottes? Wenn wir Christus annehmen, sind
wir nicht nur Nachfolger, sondern Kinder Gottes. Das bedeutet, dass wir gerufen
sind, in Liebe, Wahrheit und Gnade zu leben – so wie Christus.
Bringen wir das Licht in die Welt? Das Licht Christi ist kein Besitz,
den wir für uns behalten. Es ist ein Geschenk, das wir weitergeben sollen –
durch unser Handeln, unsere Worte und unser Leben.
Liebe Gemeinde, das Evangelium nach Johannes lädt uns
ein, das Wunder der Menschwerdung Gottes neu zu begreifen. Gott hat sich klein
gemacht, um uns groß zu machen. Er hat das Wort Fleisch werden lassen, damit
wir das Leben haben – und zwar in Fülle.
Lassen wir uns von diesem Licht erleuchten und werden
wir selbst zu Lichtträgern in einer oft finsteren Welt.
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