Predigt 12 Sonntag, 22 Juni

 

Predigt 12 Sonntag, 22 Juni 2025 (Lk 9,18-24)

Eines Tages sagte Jesus zu seinen zwölf Jüngern: "Wer mir folgen will, muss sein eigenes Kreuz tragen und mit mir ins Gelobte Land gehen."

Sie gehorchten ihm und begannen ihre schwere Reise. Sie gingen durch Dornen, über steinige Hügel und durch Flüsse, ohne Nahrung und Wasser, vierzig Tage lang. Jesus trug ein Kreuz, das doppelt so groß war wie ihres, aber er beklagte sich nie.

Mit der Zeit wurden die Jünger müde und schwach, doch sie hielten durch, ermutigt durch Jesu Kraft und Liebe. Nur Judas murrte. Um es sich leichter zu machen, schnitt er heimlich sein Kreuz immer kürzer.

Nach vierzig Tagen erreichten sie schließlich einen tiefen Abgrund vor dem Gelobten Land. Jesus sprach zu ihnen: Legt eure Kreuze hin, um eine Brücke zu bauen.“

Jeder Jünger überquerte sicher den Abgrund,  nur Judas nicht. Sein Kreuz war zu kurz, und er stürzte in die Tiefe.

Jesus und die treuen elf Jünger betraten das Gelobte Land, wo es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gab, sondern nur noch Freude und ewigen Frieden.

Das Gelobte Land steht für den Himmel. Diese Geschichte erinnert uns daran, niemals aufzugeben. Judas wählte den leichten Weg und verlor seine Chance auf wahres Glück.
Doch die treuen elf trugen ihre Kreuze mit Liebe und erreichten einen Ort voller ewigen Friedens und Freude. Bleib stark, Wunderschönes erwartet jene, die durchhalten!

Liebe Schwestern und Brüder,

stellen wir uns vor: Jesus kommt heute zu uns, mitten in unseren Alltag, vielleicht in die Küche, ins Büro, ins Klassenzimmer, in die Werkstatt und er stellt diese eine Frage:
„Für wen hältst du mich?“

Was würden wir antworten? Vielleicht: „Du bist der, an den ich sonntags glaube.“ Oder: „Du bist meine Hoffnung, wenn ich keine Kraft mehr habe.“ Oder auch ehrlich: „Manchmal bist du weit weg, manchmal spüre ich dich kaum.“

Petrus sagt klar: „Du bist der Messias Gottes.“ Er sagt: Du bist der, der retten kann. Du bist größer als alles, was mich belastet. Und dann hören wir, wie Jesus sagt, was das bedeutet:
Er wird leiden, sterben, auferstehen und wir sollen unser Kreuz tragen. Aber was heißt das heute, konkret? Schauen wir in unser Leben: Vielleicht bist du Mutter oder Vater, hast Arbeit, Kinder, Sorgen. Manchmal trägst du das Kreuz der Müdigkeit, des Kummers um ein krankes Kind, der Sorge um die Familie. Vielleicht bist du jung und fragst dich: Was soll aus mir werden? Bin ich gut genug? Du trägst dein Kreuz der Unsicherheit, der Angst zu versagen.
Vielleicht bist du älter geworden und fühlst dich einsam. Du trägst das Kreuz, dass Freunde nicht mehr da sind, dass du nicht mehr so kannst wie früher.

Jesus sagt: „Nimm dein Kreuz auf dich aber jeden Tag neu.“ Er sagt nicht: „Gib auf.“ Er sagt: „Bleib nicht stehen, denn ich gehe mit dir.“ Wie ein Freund, der deine Last mitträgt.

Liebe Schwestern und Brüder, ich erzähle euch ein Beispiel: Ich kenne eine Frau, die jeden Tag ihre demente Mutter pflegt. Oft denkt sie: Ich kann nicht mehr. Sie verzichtet auf Urlaub, auf Freizeit aber sie macht es aus Liebe. Und wenn man sie fragt, woher sie die Kraft nimmt, sagt sie: „Ich bete. Ich sage: Herr, hilf mir heute, mehr schaffe ich nicht.“Genau das meint Jesus: Sich selbst verleugnen heißt nicht, sich aufgeben sondern lieben, auch wenn es weh tut.

Oder ein junger Mann, der seinen Job verloren hat: Er könnte verzweifeln, er könnte sich selbst bemitleiden. Aber er sagt: „Ich nutze die Zeit, um anderen zu helfen, die noch weniger haben.“ Er trägt sein Kreuz  und wird dabei frei.

Ich möchte euch heute noch ein Beispiel geben, das mich immer wieder ermutigt:
Der heilige Maximilian Kolbe. Er war ein polnischer Franziskaner, voller Eifer für Christus.
Im KZ (Konzentrationslager) Auschwitz hat er ein unglaubliches Zeugnis gegeben:
Als die Nazis einen Gefangenen zum Hungertod bestimmten, weil einer ausgebrochen war, trat Pater Kolbe vor und sagte: „Ich will an seiner Stelle sterben. Ich bin Priester.“
Er hat sein Leben verschenkt aus Liebe, aus Nachfolge. Er hat sein Kreuz auf sich genommen bis zum bitteren Ende und genau darin das Leben gefunden.

Liebe Schwestern und Brüder,

natürlich sind wir nicht alle berufen, als Märtyrer zu sterben. Aber jeder von uns ist eingeladen, so zu leben: jeden Tag ein kleines Stück sich selbst zu verleugnen, um anderen Leben zu schenken. Vielleicht heißt das für dich und mich:

Ø  Zeit zu schenken, obwohl du selbst müde bist.

Ø  Ein gutes Wort zu sprechen, wo nur Kritik herrscht.

Ø  Treu zu bleiben, wo es bequemer wäre, wegzulaufen.

Ø  Für jemanden zu beten, auch wenn er dich verletzt hat.

Das ist Nachfolge. Das ist „das Kreuz auf sich nehmen“.

Jeder von uns hat ein Kreuz. Aber es ist nicht das Ende. Jesus sagt, „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten.“ Das bedeutet: Wer liebt, wer teilt, wer gibt, der verliert nicht sondern gewinnt wahres Leben.  Darum meine Einladung heute: Wenn du dein Kreuz spürst, sprich mit Jesus. Sag ihm ehrlich, was dich drückt. Und dann geh deinen Weg weiter mit ihm an deiner Seite. Gib ihm dein Leben, und du wirst merken:  Du verlierst nicht dich selbst  du findest das Leben, das Gott für dich gedacht hat.

So segne uns Jesus, der uns fragt und der mit uns geht. Amen.

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